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Trendige Traditionen: Nähen und Backen stehen bei der CREATIVA im Fokus

Trendbericht zur CREATIVA 2017

Nähen und Backen klingt eher nach Großmutters Zeiten als nach trendigen Hobbys, mit denen viele sogar Geld verdienen. Aber das täuscht: individuelle und selbstgemachte Mode sowie kunstvoll verzierte Torten erleben einen Boom – und spielen bei Europas größter Messe für kreatives Gestalten, der CREATIVA (15. bis 19. März) in Dortmund eine entsprechend wichtige Rolle.

Kleidung, die nicht jeder hat, die perfekt sitzt und genau nach den eigenen Vorstellungen gefertigt ist – diesen Traum erfüllen sich inzwischen viele. Auch, indem sie selber nähen. Dieser Trend hält weiter an, sagt Gert Eberhardt, Geschäftsführer der Initiative Handarbeit. Gerade bei jungen Leuten habe Nähen Anklang gefunden. Das schlägt sich auch in Zahlen nieder: 475 Millionen Euro gaben Verbraucher in Deutschland im Jahr 2015 laut der Initiative Handarbeit für Stoffe aus, im Jahr davor waren es 450 Millionen Euro. 163 Millionen Euro investierten sie 2015 in Näh- und Strickmaschinen (2014: 151 Millionen Euro) – davon entfiel laut Eberhardt eine Million Euro auf Strickmaschinen.

Sichtbare Erfolgserlebnisse

„Den Selfmade-Trend nehme ich auch verstärkt wahr“, sagt Inge Szoltysik-Sparrer vom Bundesverband der Maßschneider und Jury-Mitglied in der Vox-Sendung „Geschickt eingefädelt“. Sie kann sich vorstellen, dass dieser Trend eine Art Gegenbewegung zur Akademisierung darstellt. „Viele Menschen, die in theoretischen Jobs arbeiten, brauchen am Ende des Tages ein sichtbares Erfolgserlebnis. Beim Nähen sieht man, was man geschaffen hat.“

Nicht jeder kann sein Traum-Kleidungsstück selbst nähen. Szoltysik-Sparrer bemerkt daher auch in ihrem Maßschneider-Atelier eine verstärkte Nachfrage nach individueller und qualitativ hochwertiger Mode. Dabei kommt es den Kunden weniger auf brandaktuelle Trends als auf das Thema Nachhaltigkeit an. Sie erkundigen sich zwar durchaus nach aktuellen Trendfarben – in dieser Saison steht laut Szoltysik-Sparrer Grün in allen Varianten hoch im Kurs. Die Kunden wollen aber auch wissen, wo und wie produziert wird. „Es entsteht ein Gegentrend zur Wegwerfmentalität. Made in Germany gewinnt wieder an Bedeutung.“

Faire Mode mit Persönlichkeit

Früher bestand faire Mode zum Beispiel aus Naturseide mit ihrer knotigen Optik, grobem Strick oder Knitterigem aus Hanf. Das ist heute anders, sagt Katharina Kraft, die gerade das Label Lakrize gegründet hat. Sie und ihre Kollegin stellen individuell bedruckte T-Shirts her – ein Kunstdruck auf Kleidung. „Man sollte sich gewissenhaft kleiden können, ohne auf ein persönliches Kolorit verzichten zu müssen“, sagt die Mode-Designerin. So gebe es inzwischen viele Alternativen zu Baumwolle – etwa ein Gewebe aus Bambus, das sich sehr gut trage. Oder Shirts, die aus alter Baumwolle und gesponnenen Fäden aus PET-Flaschen gefertigt werden. Bei ihrem eigenen Label setzt Kraft vor allem auf kleine Mengen: Höchstens 30 Mal soll es ein Motiv geben. Zur CREATIVA reist sie mit fünf oder sechs Motiven. „Wenn es alle ist, dann ist es alle.“

Umsätze steigen nach Markttagen

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Lakrize-Shirts gut verkaufen, ist groß: T-Shirt-Labels und Siebdruckmanufakturen seien zurzeit im Trend – vor allem geometrische oder Tier-Prints auf Shirts oder Hoodies, hat André Pabst beobachtet. Er veranstaltet Handmade-Märkte in Nordrheinwestfalen, Niedersachsen und künftig auch in Bremen.

Auf den Märkten verkaufen vor allem junge Designer und Kreative, Start-ups sowie Ein-Mann- oder Ein-Frau-Betriebe selbst designte Produkte und Materialien. Viele haben auch einen eigenen Online-Shop oder verkaufen auf Plattformen wie DaWanda. „Durchschnittlich steigt der Verkauf der Produkte um 60 bis 70 Prozent in den 14 Tagen nach dem Markt.“ Das hat Pabst in Umfragen unter seinen Ausstellern herausgefunden. 2017 findet erstmals auch ein Handmade-Markt im Rahmen der CREATIVA statt.

Digitale Kanäle immer wichtiger

Auch virtuelle Märkte legen immer weiter zu – wie zum Beispiel DaWanda. Boten im ersten Geschäftsjahr vor gut zehn Jahren noch 250 Hersteller ungefähr 1.500 handgemachte Produkte auf der Plattform an, waren es Anfang Dezember 2016 rund 380.000 Hersteller mit etwa sechs Millionen Produkten. Täglich kommen laut DaWanda ungefähr 15.000 Produkte hinzu. Die Kunden kaufen alle 60 Sekunden eine Tasche auf der Plattform, jede halbe Minute ein Produkt für Babys und alle 20 Sekunden ein Schmuckstück. Die Plattform ermögliche es vielen Kreativen, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Social-Media-Plattformen wie Instagram oder ein eigener Blog sind dabei wichtige Tools, um Produkt und Marke bekannter zu machen. Und Messen wie die CREATIVA. Dort kommen Hersteller mit Kunden in persönlichen Kontakt, und man kann mit anderen Kreativen fachsimpeln. Produkte können auch angefasst und ausprobiert werden.

StartUpDay in Dortmund

Ganz einfach ist der Schritt in die Selbstständigkeit nicht. Deshalb bekommen angehende Gründer beim StartUpDay am 18. März auf der CREATIVA wertvolle Tipps und Tricks an die Hand. So stehen etwa Informationen zur Selbstständigkeit in Teilzeit, zu den Rechten und Pflichten von Gründern sowie die Vereinbarkeit von Start-up und Kindern auf dem Programm. Eine der Referentinnen ist Amber Riedl, Gründerin der Online-Handarbeitsschule Makerist. Dort finden Kreative zumeist kostenpflichtige Video-Kurse und Anleitungen für Näh- oder Strickprojekte. Es gebe tolle Marktplätze für Selbstgemachtes, aber viele wollen einfach selbst kreativ werden, erklärt sie die Idee dahinter. Mit Makerist will Riedl den Prozess des Herstellens fördern und unterstützen.

Das Hobby zum Beruf machen ist kein leichter Schritt – nicht nur aus finanziellen Gründen. Schließlich ist es etwas anderes, ob man nebenbei aus Spaß ein bisschen strickt oder ob man damit seinen Lebensunterhalt verdienen muss. Wer mit dem Gedanken spielt, sollte immer ehrlich zu sich sein. Außerdem brauchen Selbstständige ein enormes Maß an Durchhaltevermögen, Geduld und Optimismus. Ein Netzwerk ist ebenfalls überlebenswichtig – zum Beispiel mit Leuten, die sich mit dem Vertrieb auskennen. Ein weiterer Tipp von Amber Riedl: „Man sollte in gute Bilder investieren, das ist entscheidend.“ So bekommen Kunden auch online einen wirklichen Eindruck von den Produkten.

Queens‘ Battle vereint Mode und Backen

Fotografisch festhalten sollte man auch die Kunstwerke des diesjährigen Queens‘ Battle –
bevor jemand sie vernascht hat: Der Live-Wettbewerb vereint die beiden Trends Backen und Mode. Unter dem Motto Steampunk entstehen essbare Röcke, Kleider und Korsagen im viktorianischen Stil. Am 19. März werden die Sieger geehrt.

Zum Backen gehört sehr viel mehr als Zutaten verquirlen und Teig kneten. Kreative können sich auch hier austoben. Schließlich kommen unterschiedliche Techniken wie etwa die Bauernmalerei oder auch das Modellieren von Figuren, wie es mit Ton oder auch Fimo gemacht wird, zum Einsatz, erklärt Jens Oprzondek von der Cake Company. Begonnen habe der Tortentrend in England, wo es die klassische Konditorei nicht gebe. Durch die Gründung der British Sugarcraft Guild und Wettbewerbe rückten die trendigen Torten mehr und mehr in den internationalen Fokus der Kreativen.

Tortenvirus in Deutschland

Vor ungefähr vier Jahren ist der Trend auch hierzulande angekommen, sagt Oprzondek. „Zurzeit arbeiten viele mit Rollfondant.“ Das ist eine Glasur aus Zucker zum Überziehen von Gebäck. Daraus lassen sich Hochzeits- oder Motivtorten, aber auch Figuren zum Verzieren herstellen. Aus der sogenannten Blütenpaste lassen sich tolle Blumen herstellen, wie der Experte erklärt. Er hofft, dass künftig Buttercreme oder Eiweißspritzglasur an Bedeutung gewinnen. Damit kann man „nicht nur Blumen und Randgarnierungen aufdressieren, sondern auch malen und andere Techniken anwenden“, schwärmt Oprzondek. „Ich habe das Wort Tortenvirus erfunden. Denn es ist so: Wer von dem Fieber gepackt wird, kommt nicht mehr davon los.“

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